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Bundesamt für Naturschutz

Artenkenntnis

Um Biodiversität erfassen und verstehen zu können, braucht es umfassende Kenntnisse über Arten und ihre Lebensräume. Diese Artenkenntnis ist eine tragende Säule Biodiversitätsmonitorings. Da die Expertise in vielen Artengruppen jedoch abnimmt, fördert das Monitoringzentrum zur Biodiversität gezielt taxonomisches Wissen und unterstützt Initiativen, die diesem Trend entgegenwirken.

Aufgabe des Monitoringzentrums: Artenkenntnis unterstützen

„Artenkennerinnen und Artenkenner: Wichtige Grundlage für Forschungs- und praktische Aktivitäten im Monitoring ist umfassendes Expertenwissen zu Arten und ihren Lebensräumen. Mögliche Handlungsfelder werden [beispielsweise] in der universitären und außeruniversitären Ausbildung, dem Wirken der naturkundlichen Museen oder in der Qualifizierung des Ehrenamtes, auch im Kinder- und Jugendalter, gesehen und sollen von dem Monitoringzentrum unterstützt werden.“

Warum brauchen wir Artenkenntnis?

Artenkenntnis ist die Fähigkeit, Organismen präzise zu identifizieren und klassifizieren. Für die standardisierte Erfassung, Analyse und Auswertung biodiversitätsrelevanter Informationen sind Kenntnisse über die verschiedenen Arten und ihre besonderen Identifikationsmerkmale einschließlich ihrer Lebensräume unerlässlich. Durch Kenntnis der Bestände, Ökologie, Ökosysteme und der Treiber kann der politische Rahmen beeinflusst und Maßnahmen entwickelt werden. Artenkenntnis bedeutet mehr, als Pflanzen und Tiere benennen zu können. Sie umfasst auch das Verständnis ihrer Rolle im Ökosystem sowie die persönlichen Eindrücke und Emotionen, die uns mit der Natur verbinden. So entsteht ein umfassendes Bewusstsein für Biodiversität. Artenkenntnis ist damit eine der ganz wesentlichen Grundlagen für den Schutz der Biodiversität. Für viele Artengruppen fehlt es jedoch zunehmend an Expertise.

  • Eine standardisierte Befragung aus dem Jahr 2016 ergab einen Rückgang von Personen mit Artenkenntnis um 21 Prozent in den letzten 20 Jahren aufgrund erheblicher Überalterung und fehlenden Nachwuchses. (Frobel und Schlumprecht 2016)
  • Gleichzeitig ergab eine Umfrage zum Jugend-Naturbewusstsein, dass 42 Prozent der Jugendlichen „sehr bis eher bereit sind“, in einem Naturschutzverein aktiv mitzuarbeiten, und dass die Natur für die Mehrheit eine hohe Bedeutung hat. (BfN 2023)

Trotz des Engagements von Politik und Gesellschaft für den Schutz der Biodiversität werden nur unzureichende Daten zur Artenvielfalt erfasst und analysiert. Ein Grund dafür ist der Mangel an Nachwuchskräften mit fundierter Artenkenntnis, sowohl in haupt- als auch ehrenamtlichen Bereichen. 

Dies hat nicht nur bildungspolitische, sondern auch demografische Ursachen. Oft fehlt es zudem an finanzieller und institutioneller Unterstützung. Viel Wissen wird derzeit durch ehrenamtliches Engagement getragen, etwa in Fachverbänden – doch dieses stößt zunehmend an seine Grenzen. Citizen-Science-Projekte, die von Wissenschaft oder Verbänden initiiert werden, versuchen gegenzusteuern und zusätzliche personelle Kapazitäten aufzubauen. Allerdings sind viele dieser Projekte nicht darauf ausgelegt, Daten strukturiert und vor allem regelmäßig und langfristig zu erheben. Deshalb werden gezielte Schulungsangebote sowie Qualifizierungsangebote für verschiedene Zielgruppen in Schulen und Universitäten sowie von außeruniversitären Einrichtungen benötigt, um das Wissen über Arten nachhaltig auszubauen.

Zwei Kinder betrachten aus nächster Nähe eine Schneeglöckchenblüte im Gras. Beide Kinder sind im Hintergrund unscharf, während die Blume im Vordergrund klar und deutlich sichtbar ist. Die Sonne scheint hell und verleiht der Szene eine frühlingshafte Atmosphäre.
Kinder bestimmen ein Schneeglöckchen im Frühling.

Was bedeutet Artenkenntnis und Taxonomie?

Taxonomie bezeichnet die Einordnung beziehungsweise die Klassifizierung der Arten in die biologische Systematik. Unter Artenkenntnis wird die Bestimmung der Artzugehörigkeit von Individuen verstanden. Beide Begriffe werden jedoch häufig synonym verwendet. 

Vortragsreihe Artenkenntnis 2024/2025

In der Vortragsreihe des Monitoringzentrums haben Fachleute von September 2024 bis Februar 2025 ihr Wissen geteilt - über die Grundlagen der taxonomischen Arbeit, ihrer Bedeutung, über Gründe und Konsequenzen des Rückgangs und über verschiedene Initiativen, Artenkenntnis zu fördern. Das Wichtigste aus den Vorträgen haben wir auf den Unterseiten dieser Webseite zusammengestellt, damit Sie die Inhalte jederzeit nachlesen können.