Öffnet eine externe Seite Link zur Startseite

Bundesamt für Naturschutz

Einflussgrößen

Biodiversität unterliegt natürlichen und menschlichen Umwelteinflüssen. Die Erfassung und Analyse dieser Einflussfaktoren spielen eine entscheidende Rolle, um Veränderungen in der Biodiversität zu bewerten und wirkungsvolle Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Erfahren Sie mehr über wichtige Definitionen und Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit Einflussgrößen auf Biodiversität.
Luftbild einer strukturreichen Landschaft mit Äckern, Grünland und Forst durch die ein Fluss mäandriert.
Luftbild einer strukturreichen Landschaft mit Äckern, Grünland und Forst durch die ein Fluss mäandriert.

Was sind Einflussgrößen?

Biodiversität wird durch natürliche und anthropogene, das heißt durch Menschen beeinflusste Umweltfaktoren geprägt. Diese Faktoren können sich verändern. Sie beeinflussen die Biodiversität sowohl in ihrer Ausprägung, wie beispielsweise. die Vielfalt der Arten und die Anzahl der Individuen, als auch in ihrer räumlichen und zeitlichen Verteilung. Sie werden daher auch als „Einflussgrößen“ bezeichnet. Wie wir diese Einflussgrößen erfassen und ihre Auswirkungen auf die Biodiversität analysieren können, ist von entscheidender Bedeutung. Es ermöglicht uns nicht nur, Veränderungen in der Biodiversität zu bewerten, sondern auch, Schutzmaßnahmen zu gestalten und deren gewünschte Wirkung zu prüfen.

Für die Arbeit des Monitoringzentrums werden Einflussgrößen auf Biodiversität in Anlehnung an die weithin anerkannte Definition und Kategorisierung des IPBES (2019) wie folgt definiert:

Definition Einflussgrößen

Als Einflussgrößen werden die direkten Treiber des Biodiversitätswandels bezeichnet. Zu den direkten Treibern gehören die hauptsächlich durch den Menschen verursachten Prozesse und Faktoren, die sich unmittelbar auf die biologische Vielfalt auswirken:
*Land- und Meeresnutzung (und deren Änderung);
*Ausbeutung natürlicher Ressourcen;
*Klimawandel;
*Umweltverschmutzung;
*invasive (gebietsfremde) Arten.

Diese Prozesse und Faktoren können einzeln oder in Kombination auftreten. Auch können diese Treiber noch differenzierter aufgelöst werden. Beispielsweise kann die Änderung der Landschaftsstruktur als Teil oder Folge von Landnutzungsänderungen und/oder Ausbeutung natürlicher Ressourcen betrachtet werden.

Priorisierung der Einflussgrößen

Zu vielen Einflussgrößen, beispielsweise zu natürlichen Gegebenheiten wie Relief oder Klima, sind die Daten gut verfügbar. Bei anthropogenen Faktoren, wie der Intensität der Landnutzung und der Emission von Stoffen, ist die Datenlage hingegen teilweise qualitativ unzureichend. Dies betrifft beispielsweise die räumliche oder zeitliche Auflösung. Zum Teil sind die Daten auch gar nicht verfügbar, zum Beispiel zum Einsatz synthetischer Chemikalien. Dabei sind es gerade die anthropogenen Einflussgrößen, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Biodiversität haben. Gleichzeitig können diese Einflussgrößen durch Entscheidungstragende und gesellschaftliche Prozesse gesteuert werden. Das Monitoringzentrum fokussiert daher besonders auf die Erfassung und Überwachung anthropogener Einflussgrößen.

Standortfaktoren

Um direkte Treiber zu quantifizieren beziehungsweise zu bewerten, werden meist Standortfaktoren gemessen oder modelliert. Standortfaktoren verändern sich durch menschliche Einflüsse wie beispielsweise Luftverschmutzung verursacht durch Schadstoffemissionen, Chemikalieneinsatz oder künstliches Licht.

Beispiele für Standortfaktoren sind Licht, Temperatur, Wasserverfügbarkeit sowie die chemische und physikalische Beschaffenheit von Wasser, Boden und Luft.

Teilweise werden diese Standortfaktoren durch modellierte Daten abgebildet. Ein Beispiel ist die Erstellung von Klimakarten durch die Berechnung von Werten aus langjährigen Wetterstationsdaten (Interpolation).

Definition Standortfaktoren

Als Standortfaktoren werden in der Ökologie abiotische und biotische Komponenten und Prozesse in einem Ökosystem bezeichnet, die Auswirkungen auf Lebewesen haben.

Einflussgrößen im Monitoringzentrum im Fokus

Laut Grobkonzept zum Monitoringzentrum liegen die Hauptaufgaben für das Monitoringzentrum im Bereich der Einflussgrößen in folgenden zwei Punkten:

Verfügbarkeit von Daten zu Einflussgrößen transparent machen, bewerten und verbessern: „Daten zu Einflussgrößen liegen in der Regel nicht oder nicht in der erforderlichen inhaltlichen, zeitlichen und räumlichen Differenzierung vor. Hier soll in Zusammenarbeit der Ressorts sowie mit den Ländern die Datenverfügbarkeit verbessert werden.“ (unter B. Aufgaben, IV.)

„Damit soll eine möglichst umfangreiche und statistisch belastbare Datengrundlage geschaffen werden, die kurzfristig abrufbar ist und fundierte Analysen zu Ursachen von Biodiversitätsveränderungen sowie das Aufzeigen von Handlungsoptionen […] ermöglicht.“ (unter A. Einleitung, II)

Zu diesem Zweck wurde bereits in der Aufbauphase des Monitoringzentrums ein Fachgremium zur „Verbesserung der Verfügbarkeit von Daten zu Einflussgrößen“ eingerichtet.

Was bedeutet die Verfügbarkeit von Daten?

Entsprechend dem Eckpunktepapapier des Fachgremiums zur „Verbesserung der Verfügbarkeit von Daten zu Einflussgrößen“ wird die Verfügbarkeit von Daten folgendermaßen definiert.

Definition Verfügbarkeit von Daten

Daten sind verfügbar, wenn sie vorhanden (bereits erhoben), auffindbar und zugänglich sind. Erst wenn alle drei Aspekte gegeben sind, kann von vollständiger Verfügbarkeit gesprochen werden. Nicht verfügbare Daten können demnach entweder noch gar nicht vorhanden oder bereits vorhanden, jedoch nicht auffindbar und/oder nicht zugänglich sein. Der Zugang zu Daten kann dabei unter verschiedenen Bedingungen erfolgen. Hierbei kann zwischen kostenpflichtigen und kostenfreien Daten oder direkt zugänglichen und anzufragenden Daten unterschieden werden.

Vorhanden, auffindbar und zugänglich

Das Vorhandensein, die Auffindbarkeit und die Zugänglichkeit von Daten werden wie folgt definiert:

Daten sind vorhanden, wenn sie bereits erhoben oder erzeugt (modelliert/berechnet) und in analoger oder digitaler Form abgelegt oder gespeichert wurden.

Daten bzw. Informationen über diese Daten (Metadaten) müssen über Kataloge, Portale oder eventuell andere Suchsysteme für Personen, idealerweise auch für Computer bzw. Algorithmen (Maschinenlesbarkeit) auffindbar sein. Letzteres setzt eine Digitalisierung der Daten, mindestens jedoch der Metadaten voraus. Eine solche Auffindbarkeit (Findable) ist auch der erste zentrale Baustein der FAIR Data Prinzipien.  

Daten sind zugänglich, wenn sie entweder direkt/unmittelbar zugänglich sind (Open Data) oder zumindest die suchende/anfragende Person weiß, unter welchen Bedingungen auf die Daten zugegriffen werden kann. Diese Bedingungen können beispielsweise eine Authentifizierung, Autorisierung oder eine zu entrichtende Gebühr sein. Die Zugänglichkeit (Accessible) ist der zweite zentrale Baustein der FAIR Data Prinzipien.

Zurück nach oben