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Bundesamt für Naturschutz

Biodiversität

Bunte Schmetterlinge, urige Wälder und die große Wanderung der Kraniche - Biodiversität ist viel mehr als ästhetische Schönheit. Sie umfasst alles Lebendige auf unserem blauen Planeten und ist zugleich Grundlage allen Lebens.
Artenreiche Wiese mit Breitblättrigem Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Eine artenreiche Wiese mit Breitblättrigem Knabenkraut im Naturschutzgroßprojekt Bergwiesen im Osterzgebirge

Was ist Biodiversität?

Die biologische Vielfalt oder Biodiversität stellt den Reichtum des Lebens auf der Erde dar, die Millionen von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, die Gene, die sie besitzen und die komplexen Ökosysteme, die mit ihrer Hilfe eine lebendige Umwelt erzeugen. Im UN-Übereinkommen zur Biologischen Vielfalt wird biologische Vielfalt definiert als „die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem terrestrischer, mariner und sonstiger aquatischer Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören; dies umfasst die Vielfalt innerhalb von Arten, zwischen Arten und die Vielfalt von Ökosystemen“ (CBD, 1992). Biodiversität bezieht somit alle Arten von Lebewesen mit ein, auch den Menschen und bezieht sich zudem ausdrücklich auch auf die Ebene der Ökosysteme.

Der Erhalt der biologischen Vielfalt zählt zu den großen globalen Herausforderungen und ist deshalb zentraler Gegenstand verschiedener nationaler und internationaler Richtlinien und Konventionen. In Deutschland wurde am 7. November 2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) vom Bundeskabinett verabschiedet und zugleich ein breit angelegter Dialogprozess angestoßen. Ziel dieses Prozesses ist eine möglichst breite gesellschaftliche Beteiligung aller Akteursgruppen an der Umsetzung der Strategie sowie die Vernetzung der Aktivitäten und Initiativen. Die nationale Strategie umfasst neben dem Biodiversitätsschutz und der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen auch soziale Aspekte der Erhaltung der biologischen Vielfalt. Diese drei Bereiche spiegeln auch die drei Grundpfeiler des Übereinkommens zur Biologischen Vielfalt wider.

Weiterführende Informationen

Webauftritt des Übereinkommens zur Biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity)

Informatives Buch zur CBD (kostenloses E-Book): Sakiyama, M. & Schwarzer, C. (2018). CBD in a Nutshell (2. Aufl.).

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. (2007). Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt: Kabinettsbeschluss vom 7. November 2007. Berlin. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

Webauftritt der Naturschutzoffensive 2020 (Handlungsprogramm des BMU, um den Umsetzungsprozess der NBS zu fördern)

Welche Bedeutung hat die Biodiversität für Mensch und Umwelt?

Die Aufrechterhaltung funktionierender Ökosysteme hängt maßgeblich von ihrer Biodiversität ab. Diese trägt zur Stabilität ökosystemarer Prozesse wie dem Nährstoffkreislauf bei und rüstet Ökosysteme mit einer gewissen Widerstandsfähigkeit gegenüber Umweltveränderungen oder Extremereignissen wie Dürre oder Überflutung aus. Auch global bedeutsame Prozesse, wie beispielsweise die Kapazität eines Ökosystems zur Speicherung von Kohlendioxid, hängen eng mit dem Artenreichtum zusammen. Biologische Vielfalt wirkt also langfristig stabilisierend auf Ökosysteme, ihre Funktionen und Leistungen. Ökosystemare Funktionen, die von mehreren Arten getragen werden, sind besser abgesichert. Wenn eine Art ausfällt, besteht in artenreicheren Systemen die Möglichkeit, dass andere Arten ihre Funktion übernehmen. Durch die Aufrechterhaltung von Ökosystemen gewährleistet Biodiversität auch die Bereitstellung sogenannter Ökosystemleistungen, die für den Menschen von essentieller Bedeutung sind. Dazu gehört die Bereitstellung sauberer Luft, sauberen Wassers, Baumaterials und Nahrung, aber auch kulturelle und ethische Aspekte. Neben all den positiven Eigenschaften, die der Biodiversität zugeschrieben werden, existieren jedoch auch negative Wertzuschreibungen gegenüber bestimmten Aspekten der biologischen Vielfalt, beispielsweise im Hinblick auf Krankheitserreger und Krankheitsüberträger.

Biodiversität nimmt sowohl aus der intrinsischen Sicht der Natur (Funktionieren von Ökosystemen) als auch aus Sicht der menschlichen Gesellschaft (Bereitstellung von Ökosystemleistungen) eine zentrale Rolle ein. Unsere Gesellschaft besitzt die moralische Verpflichtung gegenüber nachfolgenden Generationen, aber auch gegenüber anderen Lebewesen, die Biodiversität zu erhalten. Deshalb muss biologische Vielfalt als Teil der natürlichen Lebensgrundlagen durch den Staat, insbesondere durch die Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung, langfristig geschützt werden.

Wodurch wird die Biodiversität global und national bedroht?

Laut des 2019 erschienenen Berichtes des Weltbiodiversitätsrates IPBES sind weltweit ca. 1 Million Arten vom Aussterben bedroht. Jüngste Studien zeigen, dass diese negative Entwicklung nicht nur in artenreichen, weit entfernten Ökosystemen stattfindet. Ein Rückgang an Arten und Lebensräumen der auch in Deutschland zu beobachten ist. So zeigt der aktuelle FFH-Bericht, dass der Gesamttrend des Erhaltungszustands von 34 Prozent der Arten über alle drei biogeographische Regionen Deutschlands hinweg als „sich verschlechternd“ bewertet wird (bewertete Arten: 365, ohne Sammelarten). Für 41 Prozent der bewerteten Lebensraumtypen (195) wird ebenfalls ein sich verschlechternder Gesamttrend festgestellt (Nationaler Bericht 2019 gemäß FFH-Richtlinie). Auch die Roten Listen Deutschlands verzeichnen einen hohen Anteil bestandsgefährdeter oder bereits ausgestorbener Arten über alle darin untersuchten Organismengruppen hinweg. Dies betrifft 34 Prozent der Wirbeltiere, 34 Prozent der Wirbellosen Tiere, 31 Prozent der Pflanzen, 20 Prozent der Pilze und Flechten (Rote Liste Zentrum). Diese bereits schon länger andauernde negative Entwicklung zeigt auch die viel zitierte Studie des Entomologischen Vereins Krefeld zum Insektensterben in Deutschland (Hallmann et al. 2017), aber auch eine deutschlandweite Studie, die einen Rückgang in mehr als 70 Prozent der ca. 2100 untersuchten Pflanzenarten in Deutschland belegt (Eichenberg et al. 2020).

Die Gründe für Veränderungen der Biodiversität sind vielfältig und lassen sich in Einzelstudien nur schwer belegen. Aus der Gesamtheit aller verfügbaren Informationen lassen sich jedoch gewisse Einflussfaktoren ableiten. Im Bericht des IPBES, der Nationalen Biodiversitätsstrategie des Bundes, aber auch im Bericht der Deutschen Akademie der Wissenschaften – Leopoldina zum Biodiversitätsmanagement in Agrarflächen werden u.a. folgende Gründe genannt:

  • Änderung bzw. Intensivierung der Landnutzung
  • Klimawandel
  • Demographischer und soziokultureller Wandel
  • Mangelnde Wirksamkeit politischer Steuerungselemente
  • Umweltverschmutzung
  • Zunehmende Ausbeutung der Ökosysteme
  • Invasive Arten
  • Verlust der Strukturvielfalt der Landschaften
  • Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung von ökologisch wertvollen Grenzertragsstandorten (z.B. Magerrasen, Heiden, Feucht- und Nasswiesen)
  • Einsatz hocheffizienter Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel
  • Intensivierung in der Nutzierhaltung
  • Flächendeckende Überdüngung
  • Ökonomischer Wandel
  • zunehmende Flächeninanspruchnahme/Flächenversieglung
Unterwasseraufnahme filtrierender Zebramuscheln – ein Neozoon – eine invasive Art
Invasive Arten können die heimische Biodiversität gefährden – hier eine Unterwasseraufnahme filtrierender Zebramuscheln (Dreissena polymorpha)

Weiterführende Informationen

Globaler Kontext (ausgewählte Publikationen)

Millennium Ecosystem Assessment (Program). (2005). Ecosystems and human well-being: Synthesis. Island Press.

Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES. (2019). Summary for policymakers of the global assessment report on biodiversity and ecosystem services. Zenodo.

Nationaler Kontext (ausgewählte Publikationen)

Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften & Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. (2020). Biodiversität und Management von Agrarlandschaften: Umfassendes Handeln ist jetzt wichtig. Stellungnahme. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e.V. - Nationale Akademie der Wissenschaften; Union der deutschen Akademien der Wissenschaften e.V; acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V. 

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. (2007). Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt: Kabinettsbeschluss vom 7. November 2007. Berlin. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

Informationen des BfN zu den Ergebnissen des Nationalen Berichts 2019 gemäß FFH-Richtlinie 

Webauftritt Rote Liste Zentrum

Webauftritt Tag des Artenschutzes - Rote Listen informieren über Gefährdung von Tieren, Pflanzen, Pilzen

Hallmann, C. A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H., Stenmans, W., Müller, A., Sumser, H., Hörren, T., Goulson, D. & Kroon, H. de (2017). More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PloS one, 12(10), e0185809.

Eichenberg, D., Bowler, D. E., Bonn, A., Bruelheide, H., Grescho, V., Harter, D., Jandt, U., May, R., Winter, M. & Jansen, F. (2020). Widespread decline in Central European plant diversity across six decades. Global change biology. Vorab-Onlinepublikation.

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