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Bundesamt für Naturschutz

Biodiversitätsmonitoring

Ein Biodiversitätsmonitoring muss hohen Ansprüchen genügen, denn es soll langfristig vergleichbare und belastbare Daten zum Zustand und der Veränderung der Biodiversität liefern.

Was ist Biodiversitätsmonitoring?

Durch die Vielzahl verschiedener Fragestellungen zum Zustand und zur Veränderung der Biodiversität ergeben sich zahlreiche Anforderungen an ein Biodiversitätsmonitoring. Als Arbeitsgrundlage für das Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität dient folgende Definition, die durch das Grundsatzfachgremium des Monitoringzentrums erarbeitet und beschlossen wurde.

Biodiversitätsmonitoring im Sinne des Monitoringzentrums ist...

…eine systematische, wiederholte und standardisierte Erfassung des Zustands der Bestandteile der Biodiversität. Um Ursachen ableiten zu können, sollten Faktoren erfasst werden, die Veränderungen des Zustandes der Biodiversität beeinflussen. Ein Monitoring liefert kontinuierlich oder in definierten Zeiträumen regelmäßig Daten, die nach Methoden erhoben wurden, die über Zeit und Raum hinweg vergleichbar sind. Die erzeugten Daten decken den zu beobachtenden Aspekt der Biodiversität repräsentativ in Raum und/oder Zeit ab.

Die Infografik zum Biodiversitätsmonitoring zeigt links Methoden wie Fernerkundung, Genetik, direkte Beobachtung, akustische Erfassung. In der Mitte erfassen Forschende Insekten und Pflanzen in einem Gebiet. Rechts werden die Hauptursachen für den Biodiversitätswandel – Klima-, Landnutzungswandel und Stoffeinträge – dargestellt. Binärcodes und Diagramme zeigen die Datenverarbeitung, während der Begriff "Raum" verschiedene Standorte und eine Zeitachse die langfristige Erhebung der Artenvielfalt verdeutlicht. Vergrößern
Biodiversitätsmonitoring anschaulich erklärt – Wie Artenvielfalt erfasst und Veränderungen untersucht werden

Das Biodiversitätsmonitoring ist in Deutschland nach Paragraph 6 Absatz 2 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatschG) gesetzlich vorgeschrieben und als Aufgabe von Bund und Ländern ausgewiesen. Zudem definieren die verschiedenen nationalen und internationalen Richtlinien und Konventionen die Beobachtungs- und Berichtspflichten zur Biodiversität. Eine Übersicht ist unter „Weiterführende Informationen – Rechtlicher Rahmen“ verlinkt.

Die bundesweite Monitoringlandschaft wandelt sich stetig. Etablierte Monitoringvorhaben verbessern kontinuierlich ihre Abläufe. Sie bringen wertvolles Fachwissen ein, um Methoden der Erfassung und Verarbeitung von Biodiversitätsdaten weiterzuentwickeln. Gleichzeitig entstehen neue Vorhaben, die methodische, räumliche oder zeitliche Lücken in der Erfassung schließen. 

In verschiedenen Forschungsprojekten und Erprobungsvorhaben werden innovative Methoden entwickelt, getestet und evaluiert. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Methoden aus dem Bereich Fernerkundung,
  • Metabarcoding,
  • der Einsatz von künstlicher Intelligenz,
  • die Entwicklung neuer Erfassungsinstrumente oder Erfassungs-Apps.

Diese Innovationen schaffen zum einen das Potential, die Datenerhebung und -aufbereitung zu verbessern. Zum anderen können sie dazu dienen, die gewonnenen Daten sowie die verschiedenen Beteiligten und Aktivitäten im Biodiversitätsmonitoring systematisch und langfristig zusammenzuführen und zu vernetzen.

Ein ringförmiges Diagramm stellt den Anteil der Beteiligung verschiedener Gruppen dar:  Länder (dunkelgrün) – größter Bereich, zentrale Rolle in der Umsetzung; Fachverbände (blau) – zweitgrößter Anteil; Wissenschaft (hellgrün) – kleineres Segment; Bund (gelb) – ähnlich groß wie die Wissenschaft.
Anteil der Beteiligung an der Umsetzung verschiedener Institutionsgruppen des bundesweiten Biodiversitätsmonitorings – Ergebnisse der Ist-Analyse des Monitoringzentrums (2023)

Warum ist Biodiversitätsmonitoring wichtig?

In Gesellschaft, Wissenschaft und Politik stellen sich vielfältige Fragen zum Zustand und zur Entwicklung der Biodiversität, sowohl im Hinblick auf die Nutzung, als auch den Schutz der Biodiversität. Biodiversitätsmonitoring zielt darauf ab, verlässliche Daten zu liefern, um diese Fragen zu beantworten.

Monitoringdaten dienen damit:

  •  als Hinweise auf Biodiversitätsveränderungen
  • der Erforschung von Ursachen dieser Veränderungen
  • der Erfüllung von internationalen Berichtspflichten
  • als Grundlage für politische Entscheidungen
  • der Erfolgskontrolle von Strategien und Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität

Eine langfristig belastbare und verfügbare Datengrundlage zu schaffen, ist die Voraussetzung, um geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten und eine faktenbasierte Politikberatung zu ermöglichen. Dies gelingt nur, wenn die Monitoring-Gemeinschaft ihre Aktivitäten bündelt und ihre Synergiepotentiale nutzt. Mit den Gremien und der Zentrale gibt das Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität Impulse und vermittelt auf dem Weg zu einem übergreifenden Gesamtkonzept für das Biodiversitätsmonitoring in Deutschland.

Monitoringprogramme, Forschungsinitiativen und Biodiversitätserfassungen

Der Übergang von der Biodiversitätserfassung, welche nur einen Teil der Eigenschaften eines Monitorings besitzt, hin zum Biodiversitätsmonitoring im engeren Sinne ist in der Praxis häufig fließend. In den Bereichen der akademischen Forschung, Bürger*innenwissenschaften (Citizen Science) und der behördlichen Erfassung gibt es teilweise langfristig angelegte Projekte, die viele Eigenschaften eines Monitorings besitzen.

Das Monitoringzentrum befasst sich mit der systematischen Sammlung, Aufbereitung, Strukturierung und Vernetzung von Informationen rund um das Thema Biodiversität und Monitoring. Zur besseren Übersicht über die Fülle der laufenden Aktivitäten und Instrumente nehmen wir zunächst eine Unterscheidung in Monitoringprogramme, Forschungsinitiativen und Biodiversitätserfassungen vor. Im Menüpunkt Steckbriefe auf unserer Website stellen wir Ihnen eine Auswahl bundesweiter Aktivitäten näher vor.

weiterführender Inhalt

Steckbriefe Monitoringvorhaben

Erfahren Sie mehr über ausgewählte bundesweite Monitoringprogramme, Forschungsinitiativen und Biodiversitätserfassungen.

Überblick über die bundesweiten Monitoringprogramme

Das Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität hat erstmals eine systematische Übersicht über bundesweite Biodiversitätsmonitoringprogramme in Deutschland erstellt. Grundlage ist eine Schreibtischstudie aus dem Zeitraum Juni 2022 bis Februar 2023. 

Die Grafik gibt einen Überblick über die bundesweite Monitoringlandschaft zur Erfassung der Biodiversität in Deutschland. Sie zeigt verschiedene Monitoringprogramme, die nach Lebensräumen geordnet sind – von Meer und Binnengewässern über Wälder und Agrarland bis hin zu Siedlungsflächen. Als Symbolorganismen werden unter anderem beispielhaft Vögel, Insekten, Wildtiere, Pflanzen und Bodenökosysteme dargestellt. Symbole markieren den aktuellen Status der Programme (laufend, in Entwicklung, in Erprobung oder be Vergrößern
Überblick über die bundesweite Monitoringlandschaft zur Erfassung der Biodiversität in Deutschland – Stand der Ist-Analyse des Monitoringzentrums zu bundesweiten Monitoringprogrammen: Februar 2023

Handreichung und Datenbank

In einer Handreichung (2026) sind die Methodik der Schreibtischstudie und die Nutzung einer dazu entwickelten Datenbank dokumentiert. 

Die Analyse liefert einen umfassenden Überblick über die Landschaft und Entwicklung des bundesweiten Biodiversitätsmonitorings (Stand 2023). 

Erfasst wurden 24 bundesweite Monitoringprogramme mit insgesamt 245 Modulen, basierend auf öffentlich zugänglichen Quellen sowie ergänzenden fachlichen Einschätzungen. Für die Monitoringprogramme strukturiert beleuchtet wurden unter anderem: 

  • Zielsetzungen der Programme
  • erfasste Aspekte der Biodiversität
  • Governance- und Organisationsstrukturen
  • beteiligte Akteure
  • Erhebungszeiträume
  • rechtlichen Grundlagen des Monitorings

Die Bestandserhebung unterstützt unter anderem bei der Beantwortung folgender Fragen:

  • Wer koordiniert Biodiversitätsmonitoringprogramme in Deutschland und wer setzt sie um?
  • Wo, seit wann, wie häufig und durch wen werden Daten zur biologischen Vielfalt erhoben?
  • Welche Artengruppen werden erfasst und wo bestehen Erfassungslücken?
  • Welche Habitate stehen im Fokus des Biodiversitätsmonitorings?
  • Welche zusätzlichen Informationen werden über die reine Präsenz von Arten hinaus erhoben?

Programmübergreifend wird sichtbar,

  • welche Artengruppen, Habitate und biodiversitätsbezogenen Variablen erfasst werden,
  • wie sich Monitoringinhalte über mehrere Jahrzehnte entwickelt haben.

Diese Erkenntnisse bilden eine zentrale fachliche Grundlage für:

  • die Arbeit des Nationalen Monitoringzentrums,
  • weiterführende vergleichende Analysen,
  • das Aufzeigen von inhaltlichen Überschneidungen, Ergänzungsmöglichkeiten und bestehenden Lücken im bundesweiten Monitoring.
     

Die veröffentlichten Informationen spiegeln den Arbeits- und Wissensstand aus dem Jahr 2023 wider und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder abschließende Richtigkeit. Die Zentrale des Nationalen Monitoringzentrums zur Biodiversität arbeitet kontinuierlich an der Aktualisierung und Erweiterung der Informationen auf Grundlage von Rückmeldungen der koordinierenden und betreibenden Institutionen.

Feedback & Kontakt

Rückmeldungen, Korrekturen sowie Ergänzungs- und Änderungsvorschläge sind ausdrücklich willkommen.

Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität am Standort des BfN in Leipzig
0341 30977-222
Alte Messe 6, 04103 Leipzig

Bundesweit repräsentative Monitoringprogramme

„Als bundesweit repräsentativ gelten Monitoringprogramme, anhand derer sich Aussagen treffen lassen, die für das gesamte Bundesgebiet aussagekräftig sind. Für weit verbreitete Beobachtungsobjekte (beispielsweise Arten, Habitate) bedeutet das, dass die Daten auf repräsentativen, über das gesamte Bundesgebiet verteilten Aufnahmen basieren müssen. Bundesweite Repräsentativität kann auch dadurch erreicht werden, dass lokal/regional begrenzte Prozesse beobachtet werden, die in ihrer Ausdehnung einzigartig/selten sind, und somit bereits der lokale/regionale Fokus Aussagen für das gesamte Bundesgebiet erlaubt.“ (Quelle: eigene Definition)

Monitoring der Biodiversität in Europa

Seit 2021 begleitet die Zentrale des Monitoringzentrums die EU-Partnerschaft Biodiversa+. Ziel ist es, Biodiversitätsmonitoring europaweit zu vernetzen und zu harmonisieren. Wir arbeiten an innovativen Pilotprojekten – von KI-gestützter Arterfassung bis zur Entwicklung eines europaweiten Portals für Biodiversitätsdaten. Zudem engagieren wir uns bei dem Aufbau eines europäischen Netzwerks nationaler Monitoringzentren.

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