Vortragsreihe des Monitoringzentrums - Konzept für ein bundesweites Bodenbiodiversitätsmonitoring und die bundesweite Basiserfassung
Vortragende: Dr. Silvia Pieper (Umweltbundesamt) und Dr. Christina Lachmann (Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität)
Ein vielfältiges und aktives Bodenleben ist die Grundlage für intakte Böden – und damit für zentrale ökologische Funktionen und Dienstleistungen wie beispielsweise die Bereitstellung von sauberem Wasser und die Unterstützung der Nahrungsmittelerzeugung. Bodenlebewesen umfassen zugleich mehr als 60% der weltweiten Artenvielfalt und sind vor diesem Hintergrund ein wichtiges Schutzgut. Bodenorganismen können durch zahlreiche Einflussfaktoren wie Bodenversiegelung, nicht nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung, Verschmutzung und Klimawandel gefährdet werden. Derzeit gibt es jedoch keine umfassenden bundesweiten Daten zum Zustand der Bodenbiodiversität oder den Trends in der Entwicklung der Bodenlebensgemeinschaften. Hierdurch sind weder robuste Ursachenanalysen noch Evaluierungen von Schutzmaßnahmen möglich. In einem Fachgremium am Nationalen Monitoringzentrum zur Biodiversität entwickeln Bodenbiologie-Experten und -Expertinnen die wissenschaftliche Basis für ein langfristiges bundesweites Monitoring der Bodenbiodiversität. Die Vision eines bundesweiten Monitorings der Bodenbiodiversität sieht einen ökosystemaren, modular aufgebauten Ansatz vor, der eine Lücke im nationalen Biodiversitätsmonitoring schließt und die Anforderungen künftiger Berichtspflichten erfüllt sowie international anschlussfähig ist.
Die Konzeptionierung für ein bundesweites Bodenbiodiversitätsmonitoring ist als dynamischer Prozess angelegt, der schrittweise zu einem robusten Trendmonitoring weiterentwickelt wird. Ausgangspunkt dieses Prozesses ist eine notwendige bundesweite Ersterfassung der Bodenbiodiversität.
Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) der Bundesregierung widmet sich eine Maßnahme dem Schutz der Bodenbiodiversität als unverzichtbarer Beitrag zur Stärkung der Bodengesundheit und der Resilienz von Ökosystemen. Das Projekt "Basiserhebung Bodenbiodiversität" wird als ANK-Maßnahme gefördert, mit dem Ziel, die biologische Vielfalt in Böden unter unterschiedlicher Nutzung bundesweit zu erfassen. Die Untersuchungen sollen bestehende Monitoringakitivitäten integrieren. Auf der Basis der vorliegenden Daten sollen lebensraumtypische bodenbiologische Referenzwerte abgeleitet werden. Parallel zur Aufnahme der Bodenbiodiversität anhand verschiedener Methoden werden auch Begleitgrößen erfasst, um mögliche Zusammenhänge zwischen Diversitätsverschiebungen und Standortfaktoren zu erkennen. Übergreifend dienen die Untersuchungen der „Basiserhebung Bodenbiodiversität“ dazu, Indikatoren für einen guten ökologischen Bodenzustand zu definieren und zu verfolgen. Die Projektumsetzung wird durch das Umweltbundesamt fachlich begleitet und sieht eine enge Verzahnung mit dem Fachgremium Bodenbiodiversität des NMZB vor. Langfristiges Ziel ist die Verstetigung von bundesweiten Monitoringaktivitäten zur Bodenbiodiversität.