3 ½ Fragen an Dr. Karin Glaser
Was hat Sie ursprünglich zur Biodiversitätsforschung gebracht?
Die Faszination für das Leben selbst – für die unglaubliche Vielfalt an Organismen und Lebensweisen. Besonders interessiert hat mich immer die Frage, wie Organismen miteinander und mit ihrer Umwelt interagieren. Viele Veränderungen wirken nicht unmittelbar, sondern entfalten ihre Folgen erst über komplexe Wechselwirkungen und oft mit zeitlicher Verzögerung. Diese Zusammenhänge zu verstehen, fand ich wissenschaftlich spannend und zugleich gesellschaftlich hochrelevant. Dabei wurde mir auch klar, wie entscheidend eine verlässliche Datenbasis über längere Zeiträume ist, um solche Prozesse überhaupt erkennen und einordnen zu können.
Was macht gutes Biodiversitätsmonitoring für Sie aus?
Gutes Biodiversitätsmonitoring heißt für mich, Veränderungen sichtbar zu machen, die wir sonst leicht übersehen oder deren Zusammenhänge wir nicht sofort erkennen würden. Es schafft die Grundlage, um zu verstehen, wie sich Arten, Lebensräume und ökologische Prozesse im Laufe der Zeit entwickeln.
Entscheidend sind dabei standardisierte und langfristig erhobene Daten. Nur so lassen sich Trends zuverlässig erkennen und zwar nicht nur über Jahre hinweg, sondern auch über Ländergrenzen hinaus. Denn Artenverbreitung und ökologische Prozesse kennen keine politischen Grenzen.
Monitoring ist für mich aber mehr als Daten zu sammeln. Gute Monitoringdaten machen Entwicklungen der Biodiversität nachvollziehbar und schaffen die Grundlage, Trends zu erkennen und einzuordnen. Gleichzeitig verstehe ich Monitoring als eine wichtige Brücke zwischen Wissenschaft, Naturschutz und Politik. Es liefert eine evidenzbasierte Grundlage für Entscheidungen und hilft, ökologische Veränderungen sichtbar zu machen.
Was ist Ihnen für die Zukunft des Nationalen Monitoringzentrums zur Biodiversität besonders wichtig?
Mir ist wichtig, dass das Online-Portal des Monitoringzentrums zu einer zentralen Anlaufstelle für alle wird, die sich mit Biodiversitätsmonitoring beschäftigen – in Wissenschaft, Naturschutzpraxis, Verwaltung und Politik, ebenso wie für ehrenamtlich Engagierte und eine fachlich interessierte Öffentlichkeit. Es soll ein Ort sein, an dem Nutzende sicher, verlässlich und möglichst intuitiv zu den Daten gelangen, die sie benötigen bzw. interessieren.
Gleichzeitig wünsche ich mir, dass das Portal über die reine Datensuche hinaus auch Einblicke bietet: etwa durch Best-Practice-Beispiele, Hintergrundinformationen oder anschauliche Geschichten aus Monitoring und Forschung. So kann es nicht nur Daten auffindbar machen, sondern auch Verständnis für deren Bedeutung fördern.
Gutes Monitoring entfaltet sein volles Potential, wenn Daten nicht nur erhoben, sondern auch gefunden, verstanden und genutzt also in Beziehung gebracht werden können.
Sie kommen für die Stelle zurück nach Leipzig. Wie fühlt sich die Rückkehr an?
Leipzig hat sich für mich immer wie Zuhause angefühlt. Auch während meiner Jahre in anderen Städten bin ich innerlich Leipzigerin geblieben. Ich mag diese „kleine Großstadt“. Sie ist lebendig, jung, offen und voller Dynamik. Die Rückkehr war deshalb vor allem ein Ankommen.