5 Jahre Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität
Am 26. März 2021 eröffnete die damalige Bundesumweltministerin Svenja Schulze das Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität. Es wurde auf Beschluss der Bundesregierung eingerichtet, um die Datenbasis zum Zustand und der Entwicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland zu verbessern. Dabei lag der Fokus von Anfang an auf einer Zusammenarbeit, die über die Grenzen von behördlichen Zuständigkeiten, Anwendung und Forschung sowie inhaltlicher Fachgebiete hinweg alle beteiligten Akteur*innen einbezieht. So wird sichergestellt, dass die mitunter sehr unterschiedlichen Perspektiven und Bedarfe in der Weiterentwicklung des bundesweiten Biodiversitätsmonitorings Berücksichtigung finden.
Heute, fünf Jahre später, hat sich das Monitoringzentrum nicht nur als zentraler Akteur in der Monitoringcommunity etabliert, sondern auch einiges erreicht.
Die Konzeptionsphase für ein webbasiertes Informationsportal zum Biodiversitätsmonitoring mit einer aufwändigen Bedarfsabfrage ist abgeschlossen und die Umsetzung hat begonnen. Es soll Forschung, Praxis und Öffentlichkeit künftig als Wegweiser zu Monitoring-Informationen und -Daten zur Biodiversität dienen und diese mit erklärenden Formaten verbinden.
Verschiedene Veranstaltungsformate wurden etabliert: Das Forum „Anwendung und Forschung im Dialog“ und die Kooperationswerkstatt sowie weitere punktuelle Workshops besuchten in den letzten vier Jahren insgesamt knapp 1.000 Teilnehmende. In diesen Formaten arbeiten die unterschiedlichen Akteur*innen aus Wissenschaft, Bundes- und Landesbehörden, Fachgesellschaften und Verbänden gemeinsam konstruktiv an Strategien und konkreten Lösungen. So wurden beispielsweise die Ziele für die Weiterentwicklung des bundesweiten Biodiversitätsmonitorings erarbeitet und Input zur Portalentwicklung generiert. Die öffentliche Online-Vortragsreihe bietet mit regelmäßigen Fachvorträgen Einblicke in die vielfältigen Themengebiete des Biodiversitätsmonitorings und befördert den Austausch unter den Akteur*innen.
In eigens eingerichteten Fachgremien arbeiten Expert*innen jeweils eines Themenbereichs daran, Lücken im bundesweiten Biodiversitätsmonitoring zu schließen: Zwei solcher Fachgremien haben bereits im ersten Jahr des Monitoringzentrums ihre Arbeit aufgenommen. Das Fachgremium zu Einflussgrößen hat seitdem wichtige Grundlagen zur Priorisierung von Einflussgrößen auf Biodiversität und zur Verfügbarkeit von Daten erarbeitet. Gleichzeitig ist eine strukturierte Datenbank zu Programmen entstanden, die Daten zu Einflussgrößen erfassen und bereitstellen. Diese Datenbank wird stetig erweitert und in Form von Steckbriefen auf der Webseite der Monitoringzentrums für die Öffentlichkeit aufbereitet. Wichtige Pionierarbeit hat ebenfalls das Fachgremium zum Monitoring der Bodenbiodiversität und ihrer Funktionen geleistet. Ein intaktes Bodenleben ist wichtig, damit terrestrische Ökosysteme funktionieren. Bisher gibt es jedoch kein bundesweit repräsentatives Monitoring der Bodenbiodiversität. Das Fachgremium hat dafür ein Basiskonzept erarbeitet, das in Kürze veröffentlicht wird. Es beschreibt wichtige Grundlagen für ein bundesweites Bodenbiodiversitätsmonitoring und skizziert, wie eine bundesweite Ersterfassung umgesetzt werden sollte. Auch international ist das Monitoringzentrum aktiv. Seit vier Jahren arbeitet es zur Realisierung EU-weiter Monitoringprojekte und -prozesse mit der Europäischen Biodiversitäts-Partnerschaft Biodiversa+ zusammen. Ende des Jahres 2025 ist die Zentrale des Monitoringzentrums für das Bundesamt für Naturschutz Biodiversa+ beigetreten.
Das Monitoringzentrum arbeitet aber nicht nur daran, die Akteur*innen des Biodiversitätsmonitorings zu informieren und vernetzen und mit ihnen gemeinsam Konzepte zur Verbesserung des bundesweiten Monitorings zu erarbeiten. Es unterstützt das Monitoring auch in der Praxis. Seit 2024 werden vier Leuchtturmprojekte gefördert, die beispielhaft wissenschaftliches, behördliches und ehrenamtliches Engagement vereinen. Ab diesem Jahr werden weitere Projekte hinzukommen, die das Biodiversitätsmonitoring mit neuen Methoden, digitalen Werkzeugen und mehr Beteiligung von Bevölkerung und Ehrenamt voranbringen sollen. Der Förderaufruf für diese Projekte befindet sich derzeit in der zweiten Stufe des Antragsverfahrens. Zudem unterstützt das Monitoringzentrum Bundesländer, die ein Ökosystem- und Insektenmonitoring aufbauen, durch eine Kofinanzierung.
In allen Aktivitäten des Monitoringzentrums zeigt sich eine erfolgreiche Zusammenarbeit über Ressorts, Disziplinen und Institutionen hinweg. Sie bekräftigt den Bedarf zielgerichtet an der Weiterentwicklung des bundesweiten Biodiversitätsmonitorings zu arbeiten, um fundiertere Aussagen zum Zustand und zur Entwicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland treffen zu können.
Detailliertere Informationen zu den Ergebnissen der Arbeit des Monitoringzentrums sind auf dieser Webseite unter Meilensteine zu finden.
Hintergrund
Das Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität besteht aus einer Zentrale am Bundesamt für Naturschutz in Leipzig, einem Steuerungsgremium und einem Grundsatzfachgremium sowie weiteren Fachgremien. Die Zentrale führt die Geschäfte des Monitoringzentrums und ein Team aus 25 Mitarbeitenden setzt die Aufgaben des Monitoringzentrums hauptamtlich um. Gelenkt wird das Monitoringzentrum von einem ressortübergreifenden Steuerungsgremium, in dem sieben Bundesministerien und eine Ländervertretung die strategischen Entscheidungen gemeinsam treffen. Die fachlichen Aufgaben des Monitoringzentrums legt das Grundsatzfachgremium fest. Es ist aus über 30 vom Steuerungsgremium benannten Fachleuten besetzt, die eine breite Expertise abbilden.