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Bundesamt für Naturschutz

Meilenstein für das Bodenbiodiversitätsmonitoring

20.08.2026
Leipzig
Was lebt eigentlich unter unseren Füßen? Böden sind voller Leben, aber über ihren Zustand wissen wir bisher wenig. Ein neues Konzept schafft erstmals einen abgestimmten fachlichen Rahmen für ein bundesweit harmonisiertes Monitoring der Bodendiversität.
Springschwänze der Gattung Entomobrya sind ein Beispiel für kleine Organismen, die im Boden leben.
Springschwänze der Gattung Entomobrya sind ein Beispiel für kleine Organismen, die im Boden leben.

Böden gelten als Hotspots der Biodiversität. Sie beherbergen eine enorme Vielfalt an Lebewesen, von mikroskopisch kleinen Pilzen und Bakterien bis hin zu größeren Tieren wie Regenwürmern, Asseln und Tausendfüßern. Die Bodenlebensgemeinschaft ist ein komplexes Netzwerk, das den Boden gesund und funktionsfähig hält. Bereits heute gibt es verschiedene Erfassungsprogramme mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielsetzungen. Doch die Vergleichbarkeit von Daten zur Bodenbiodiversität ist eingeschränkt, sodass eine Bewertung des Zustands und der Veränderungen der Bodenbiodiversität auf Bundesebene bislang nicht möglich ist. Wie sich diese Datengrundlage verbessern lässt, beschreibt das „Konzept für ein bundesweites Bodenbiodiversitätsmonitoring“.

Das Konzept ist das Ergebnis von fünf Jahren intensiver Arbeit des Fachgremiums „Monitoring der Bodenbiodiversität und ihrer Funktionen“ am Nationalen Monitoringzentrum zur Biodiversität. Darin engagieren sich Expertinnen und Experten der Bodenzoologie, -mikrobiologie und -ökologie aus Monitoringpraxis, Forschung sowie Bundes- und Landesbehörden. Gemeinsam haben sie Empfehlungen erarbeitet, wie die bislang lückenhaft erfasste Vielfalt des Bodenlebens repräsentativer, vergleichbarer und anschlussfähiger erfasst werden kann. Es zeigt somit auf, wie Bodenbiodiversität künftig stärker als integraler Bestandteil des bundesweiten Biodiversitätsmonitorings verankert werden kann. Es ist ein wichtiger Schritt, um das Leben im Boden besser zu verstehen, seinen Zustand belastbarer zu erfassen und die Voraussetzungen für wirksamen Boden- und Biodiversitätsschutz weiterzuentwickeln. 

Das Konzept sieht vor, das Bodenbiodiversitätsmonitoring schrittweise aufzubauen. Das erste Monitoringmodul ist eine bundesweite Ersterfassung der Bodenbiodiversität. Dafür beschreibt das Konzept unter anderem Anforderungen an die Stichprobenkulisse, die Auswahl geeigneter Organismengruppen, Erfassungsmethoden, Messparameter, Begleitdaten und die Probenarchivierung. Damit bietet es eine wichtige fachliche Orientierung für die nächsten Schritte hin zu einem langfristigen, modulbasierten Monitoring, das bei der Erfassung der Biodiversität im Boden das gesamte Ökosystem betrachtet. In der Umsetzung wird es darauf ankommen, verschiedene bestehende Aktivitäten miteinander zu verzahnen und ihre Ergebnisse gemeinsam für die nächste Entwicklungsphase nutzbar zu machen. So können Referenzwerte, Indikatoren und Bewertungsansätze weiterentwickelt und als Grundlage für ein langfristiges Trendmonitoring genutzt werden. 

Das Konzept zum Bodenbiodiversitätsmonitoring knüpft an zentrale nationale und europäische Strategien an. Die Nationale Biodiversitätsstrategie 2030 (NBS 2030) ist eine umfassende Strategie der Bundesregierung, um den Verlust der biologischen Vielfalt in Deutschland aufzuhalten und umzukehren. Das vorliegende Konzept wird im 1. Aktionsplan zur NBS 2030 als eine Maßnahme (4.1.2.) auf dem Weg zur Erreichung eines guten biologischen Zustands unserer Böden bis 2050 benannt. Auch die europäische Bodenrichtlinie, auch als „Soil Monitoring Law“ bezeichnet, unterstreicht die Bedeutung eines systematischen Bodenmonitorings. Sie rückt den Zustand von Böden stärker in den Fokus und sieht vor, dass die Mitgliedstaaten regelmäßig Kennwerte der Bodengesundheit erheben. Damit soll eine EU-weit vergleichbare Datengrundlage für die Bewertung des Bodenzustands geschaffen werden. 

Kontakt im BfN

Bundesamt für Naturschutz
Stabsstelle PK Strategische Planung und Kommunikation
0228 8491-4444
Konstantinstr. 110, 53179 Bonn