38. Deutscher Naturschutztag (DNT)
Der größte deutsche Naturschutzkongress bietet Expertise und Beteiligung zu topaktuellen Naturschutzthemen. 2026 war er vom 10. März bis zum 14. März mit rund 1700 Teilnehmenden zu Gast in Berlin in der Freien Universität Berlin-Dahlem. Der DNT richtet sich an im Naturschutz Engagierte aus Ehrenamt, Politik, Praxis, Planung, Verwaltung und Wissenschaft sowie alle am Naturschutz Interessierten.
Das Monitoringzentrum war Co-Organisator des Fachforums VI „Biodiversitätsmonitoring: Kooperation von Mensch und Maschine“. Zudem war es auf der Fachausstellung vertreten. An seinem Stand informierte das Monitoringzentrum über seine Arbeit, die vielfältige Monitoringlandschaft in Deutschland und Berufsaussichten für Studierende im Biodiversitätsmonitoring. Daraus entwickelte sich an den zwei Ausstellungstagen ein vielseitiger Austausch mit den Teilnehmenden.
Fachforum VI Biodiversitätsmonitoring: Kooperation von Mensch und Maschine
Das Forum VI beschäftigte sich mit Biodiversitätsmonitoring, Datenerhebung und Erkenntnisgewinn sowie der erfolgreichen Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Nach einem Einstieg in den Status quo des Biodiversitätsmonitorings (Modul 1) widmeten wir uns im Modul 2 den Erfassungsmethoden, bevor wir in einem interaktiven Barcamp (Modul 3) Chancen und Herausforderungen neuer Technologien diskutierten.
Das Auftaktmodul schaffte die notwendige Basis, indem es den Status Quo des Monitorings auf europäischer und nationaler Ebene beleuchtete. Ein Schwerpunkt lag auf der Rolle der Akteure, insbesondere der Integration von Fachgesellschaften und Citizen Science sowie der Mobilisierung von Daten durch Forschungsinitiativen wie NFDI4Biodiversity.
Moderation: Prof. Dr. Aletta Bonn, Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege Berlin
Mit Beiträgen von:
- Prof. Dr. Henrique Pereira, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv): Assessing the State of Nature in Europe
- Dr. Wiebke Züghart, Bundesamt für Naturschutz (BfN): Notwendigkeit und Anforderungen an das Biodiversitätsmonitoring in Deutschland
- Dr. Martin Ludwig, Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität: Die Monitoringlandschaft in Deutschland: Aktuelle Struktur und Perspektiven der Weiterentwicklung
- Dr. Barbara Ebert, Gesellschaft für Biologische Daten e.V. (GFBio): Datenvielfalt für Artenvielfalt – Nationale Forschungsdateninfrastruktur für Biodiversität NFDI4Biodiversity
- Dr. Michael Rzanny, Max-Planck-Institut für Biogeochemie: Flora Incognita – wie gelingt die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Wissenschaft?
- Dr. Martin Sorg, Entomologischer Verein Krefeld: Anforderungsprofil für ein Biodiversitätsmonitoring gemeinsam mit Fachgesellschaften
Zentrale Ergebnisse des Moduls waren:
- Ein integratives Monitoring ist nur durch eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen, wissenschaftlichen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Akteuren möglich.
- Neue digitale Methoden und Infrastrukturen bieten große Chancen zur Datenmobilisierung, - archivierung, -visualisierung und Verfügbarmachung, ersetzt aber nicht die notwendige strukturelle Stärkung des Ehrenamts.
- Daten müssen zugänglicher gemacht werden, um für wissenschaftliche Auswertungen und den Naturschutz nutzbar zu sein.
Das Modul beleuchtete Chancen, Herausforderungen und praxisnahe Anwendungen neuer Methoden, um Datenqualität und Effizienz zu verbessern und schließlich den Erkenntnisgewinn im Biodiversitätsmonitoring zu fördern.
Moderation: Dr. Susanne Dunker, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), Leipzig
Mit Beiträgen von:
- Dr. Roland Krämer, Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität (NMZB), und Dr. Christian Schneider, Bundesamt für Naturschutz (BfN): Digitalisierung und Biodiversitätsmonitoring: Neuere methodische und technologische Ansätze
- Dr. Annett Frick, LUP – Luftbild Umwelt Planung GmbH: Vom Pixel zum Ökosystem: Neue Wege der Fernerkundung für Biodiversität und Naturschutzpraxis
- Prof. Dr. Florian Leese, Universität Duisburg-Essen: Genetische Verfahren im Monitoring - ein Überblick
- Prof. Dr. Oliver Mothes, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden: Chancen und Grenzen von KI im Biodiversitätsmonitoring
Zentrale Ergebnisse des Moduls waren:
- Für eine optimale Einbindung neuer Methoden ist wichtig, traditionelle und innovative Methoden zunächst parallel durchzuführen, um über eine Kalibrierung Kontinuität beim Monitoring zu gewährleisten.
- Für Biodiversitätsmonitoring-Methoden gibt es bereits spezifische Leitfäden, wie neue Methoden mit alten Verfahren interkalibriert werden können. Diese können die Kontinuität des Monitorings gewährleistet.
- In vielen Fällen bietet sich ein Methodenmix aus automatisierten Screenings und in-situ Erhebungen durch Fachleute an.
- Die Triade aus Daten, Rechenleistung und Modellen ermöglicht den Übergang von Pilotprojekten in den Regelbetrieb.
- Es braucht einheitliche, hoheitliche Anforderungen von Behörden und Ländern sowie eine verstärkte Mitarbeit in Standardisierungsgremien (z. B. DIN, CEN, ISO).
- Der Transfer von Forschungsergebnissen in einsatzfähige Produkte muss beschleunigt werden.
Moderation: Hermann Grams, Beraten Begleiten Bewegen, Moderator
Das Barcamp bot einen Raum, um über die Aspekte neuer Technologien im Monitoring zu sprechen: Wie machen sie Mensch und Maschine zum Dreamteam für das Monitoring? Wie können so Artenkenntnis gestärkt, Citizen Science befördert und Kartierungen unterstützt werden?
Zentrale Ergebnisse des Moduls waren:
- Es besteht ein großer Bedarf an informellem Austausch zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Praxis.
- Ergänzung statt Ersatz: KI-Systeme und Fernerkundung sollten primär als Werkzeuge zur Vorerkundung und Ergänzung gesehen werden, nicht als Ersatz für die Feldarbeit.
- Menschliche Validierung: Die Belegbarkeit von Daten durch den Menschen bleibt essenziell, um die Qualität der Ergebnisse sicherzustellen.
- Expertise-Bedarf: Artenkenner*innen sind weiterhin stark gefragt, insbesondere um die Ergebnisse automatisierter Systeme zu validieren.
- Effizienzsteigerung: Durch wachsende Erfahrung mit neuen Technologien (z. B. Akustik) kann die Datenerhebung gezielter erfolgen, was Ressourcen (z. B. Rechenleistung durch Stillephasen-Erkennung) schont.