Vortragsreihe des Monitoringzentrums - Genetische Verfahren im Biodiversitätsmonitoring - ein Überblick
Vortragender: Prof. Dr. Florian Leese (Universität Duisburg-Essen, Aquatische Ökosystemforschung)
Die klassische Biodiversitätserfassung bleibt unverzichtbar, stößt aber bei Massenproben, schwer bestimmbaren Gruppen und kryptischen Arten an Grenzen – zeitlich wie taxonomisch. DNA-basierte Verfahren können hier ergänzen und skalieren. Der Vortrag gibt einen Überblick über die verfügbaren Methoden entlang der Ebenen biologischer Vielfalt – von Populationsgenetik (SNPs, Mikrosatelliten) über Barcoding einzelner Arten bis zu Metabarcoding und Metagenomik ganzer Lebensgemeinschaften – und macht deutlich: die Fragestellung bestimmt die Methodenwahl. Im Fokus steht DNA-Metabarcoding, dessen Prozesskette von der Probennahme bis zur bioinformatischen Auswertung vorgestellt wird. Anschließend wird gezeigt, wo die Verfahren bereits eingesetzt werden: im Joint Danube Survey über mehr als 2.000 Flusskilometer, in Vergleichsstudien mit drei Bundesländern zur WRRL-Bewertung inklusive Interkalibrierung der Klassengrenzen, im Trendmonitoring auf Basis der Umweltprobenbank des Bundes sowie in bundesweiten Insektenerhebungen. Umwelt-DNA (eDNA) erweitert dabei den Blickwinkel deutlich über die klassischen Qualitätskomponenten hinaus – bis hin zu Vögeln, Säugetieren und terrestrischen Invertebraten aus derselben Wasserprobe. Abschließend werden Kosten realistisch eingeordnet und aus meiner Sicht zentrale nächsten Schritte benannt: Qualitätssicherung, Standardisierung über DIN/CEN/ISO sowie die Kombination von DNA, Bilddaten und KI. Denn: DNA-basierte Methoden machen am meisten Sinn im Kontext weiterer Methoden.